2019  „Aus der Verwicklung in die Entwicklung“

2019 „Aus der Verwicklung in die Entwicklung“

By am Apr 12, 2019 in Aktuelles, Biografieberatung, Partnerschule | 0 comments

Liebe Leser,

vielleicht haben Sie es schon bei sich oder in Ihrem Umfeld wahrgenommen. Sehr viele Menschen befinden sich seit langem in einem inneren Chaos und hoffen trotzdem auf ein Wunder.

Mittlerweile beginnen immer mehr Menschen – vor allem die jüngere Generation – sich zu fragen, was genau die Ursachen dafür sind und beginnen Nachforschung anzustellen.

Deshalb ist mein Anliegen, die Zusammenhänge von Trauma und Liebe aufzuzeigen, mit jedem Jahr dringender geworden und ich ermutige jeden, sich aus psychischen Verwicklungen heraus zu entwickeln, damit Partnerschaft und Elternschaft dauerhaft gelingt.

Wie das gehen könnte, erkläre ich Ihnen, wenn Sie sich Zeit nehmen, weiter zu lesen …

Beginnen wir zunächst bei der Quelle, dem Ursprung allen Seins. Bei der Mutter!

Es gab Zeiten, da haben Mädchen und Frauen in schrecklichen unaushaltbaren Zuständen leben müssen. Sie wurden misshandelt, gequält, geschlagen und fanden weder Schutz noch Zuflucht. Meist geschah das in Kriegszeiten. Die weibliche Ahnenkette ist lang, wenn wir auf unsere eigene Geschichte zurückschauen.

Solche traumatisierte Frauen waren unsere Großmütter –  die, als sie selber Mutter wurden – kaum in der Lage waren, ihren Kindern ausreichend zu geben, was sie wirklich brauchen: Körperliche Nähe und Geborgenheit, Schutz, Orientierung und Verlässlichkeit. Dazu muss man wissen, dass jedes  Baby und Kleinkind sich an den Gefühlen und Empfindungen der Mutter festsaugt und sich mit den Gefühlen der Mutter identifiziert. Traumatisierte Mütter leiden häufig unter ängstlichen oder ambivalenten Gefühlen. Verwickelt sich das Kind darin, reagiert es verwirrt und unsicher.

Unsere Mütter haben in der Regel also Mütter gehabt, die kriegstraumatisert waren. Unsere Mütter wiederum tragen die Folgen der großmütterlichen Traumata in sich und haben sie ohne es wissen, an unsere Generation weiter gegeben. In unserer Generation handelt es sich überwiegend um – bislang unerkannte – Psychotraumata. Finden frühe Verstrickungen in die mütterliche Gefühlswelt der Angst und Ambivalenz statt, nennt man das Symbiosetrauma.

Deshalb habe ich in den letzten Jahren sehr aufmerksam das Verhalten der Eltern zu ihren Kindern, sowie das unter Paaren beobachtet. Immer wieder habe ich festgestellt, dass nicht das Bindungsbedürfnis, sondern die Bindungsbereitschaft die Basis bildet, aus der sich alle weiteren Beziehungen formen und diese gedeihen oder scheitern lassen.

Oft habe ich mich gefragt, was Menschen wirklich zusammenhält und was ihnen am meisten fehlt. Nun, was einige zusammenhält ist sicher eine reif gewordene Liebe, die gegenseitiges Wachstum und Entwicklung ermöglicht.

Im Laufe der Jahre habe ich festgestellt, dass meine Vorträge, Seminare und Bücher zwar zur Selbsterkenntnis anregen können, jedoch für eine tiefgehende Transformation selten ausreichen.

Ich habe in der Arbeit mit Menschen natürlich auch erlebt, wie sie sich im Inneren berühren lassen, doch diese innere Bewegtheit reichte ebenfalls kaum aus, um einen „falschen“ Lebens-und Liebesweg zu verlassen.

Trotzdem verlor ich nie meine Freude weiterzumachen, weil ich weiß, was genau mich antreibt: Es ist mir ein tiefes Anliegen geblieben, ein umfassendes Wissen über die biografische Vergangenheit zu vermitteln und über Prägungsmuster und Entwicklungsmöglichkeiten aufzuklären. Im besten Falle entsteht danach nicht nur der Wunsch, sondern der feste Wille, sich damit auseinander zu setzen, damit die Wunden der Ahnen nicht länger an die nächste Generation weiter vererbt werden.

Wie viele andere, halte ich es schlichtweg nicht aus, einfach nur zuschauen, mich abzulenken, zu kompensieren und nichts zu tun. Das passt nicht zu mir. Es macht mir zu schaffen, wenn ich sehe, wie fehlgeleitete Menschen nicht nur sich, sondern vor allem ihre Kinder in ihrer gesunden Entfaltung und Entwicklung behindern. Meist wissen diese Menschen gar nichts von eigenen Verwicklungen und weisen diesen Hinweis ärgerlich oder erschrocken zurück.

Es stimmt, die meisten weichen zurück, wenn sie den Begriff „Trauma“ hören. Ich könnte ja auch sagen, es handelt sich um unerlöste seelische Konflikte, doch das trifft in vielen Fällen den Kern der Sache nicht … was aber könnte der bessere Begriff sein?

Mit dieser Frage habe ich mich Ende 2018 an den Göttinger Hirnforscher Gerald Hüther gewandt, der mir folgendes dazu schrieb:

„Ich denke auch, dass wir ein besseres Wort für „Trauma“ finden müssen, auch eines, was diesen Begriff von dem psychiatrischen Beigeschmack befreit. Eigentlich sind wir ja alle auf die eine oder andere Weise traumatisiert. Im Moment spiele ich mit der Idee, dass es im Leben ja um Entfaltung der in jedem Menschen angelegten Möglichkeiten, also seiner Potenziale geht. Dabei kann es zu Verwicklungen kommen, die dann auch als Erkrankungen in verschiedensten Formen zutage treten. Diese Verwicklungen sind das, was wir mit dem Begriff Trauma, bzw. mit den Versuchen zu dessen Bewältigung gemeint ist. Gesund werden und wieder zurückfinden in diesen ursprünglich ja einmal stattgefundenden Entfaltungsprozess kann eine Person aber nur dann, wenn sie sich aus diesen Verwicklungen herauslöst. Alleine ist das kaum zu bewältigen, es braucht jemanden, der diesen Menschen dabei begleitet. Das wäre dann das, was mit dem Begriff Entwicklung gemeint ist. Diese Betrachtungsweise gefällt mir sehr gut …“

Gott sei Dank bin ich in der glücklichen Lage, die biografische Entwicklungsarbeit professionell unabhängig anbieten zu können und unterliege keinen Zwängen – und ja es stimmt, es braucht jemanden, der diesen Prozess warmherzig begleitet; das muss jemand sein, der das Leben weitestgehend verstanden (und nicht nur analysiert) hat; jemand der weise genug geworden ist, um Menschen durch die Untiefen ihrer Vergangenheit sicher herauszuführen – und zwar ohne eine klinische Diagnose zu stellen.

Deshalb lade ich herzlich dazu ein, sich sein Leben genauer anzuschauen, wenn er den Eindruck hat, dass er in etwas verwickelt wurde, aus dem er von selbst nicht heraus findet.

Gemeinsam werden wir herausfinden, worin man verwickelt wurde, wo die Ursachen liegen, welche Auswirkungen dies alles auf das eigene Leben hat und wie man die eigene Entwicklung erneut voranbringen kann.

Der Lohn ist die Fähigkeit, seine angelegten Fähigkeiten wieder voller Freude zu entfalten, statt voller Angst zurückzuweichen und innerlich zu verkümmern.

Sehen Sie, das wäre dann ein echtes Wunder, sich selbst zu heilen ….

Mit einem herzlichen Gruß

Brigitte Hieronimus

 

 

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