2019  „Aus der Verwicklung in die Entwicklung“

2019 „Aus der Verwicklung in die Entwicklung“

By am Jan 5, 2019 in Aktuelles, Biografieberatung, Partnerschule | 0 comments

Liebe Leser,

vielleicht haben Sie es schon bei sich oder in Ihrem Umfeld wahrgenommen. Sehr viele Menschen befinden sich seit langem in einem inneren Chaos und hoffen immer noch auf ein Wunder.

Obwohl es den meisten in Deutschland und der Schweiz so gut geht wie nie zuvor,  leben viele ein „falsches“ Leben. Ein Leben, das sie, trotz Wohlstand immer weiter von sich selbst entfernt und die innere Leere und Unzufriedenheit ansteigt. Das könnte uns resiginieren lassen, wir könnten aber auch wacher werden und uns fragen, was genau die Ursache sein könnte und beginnen, bei uns selbst nachzuforschen.

Mein Anliegen, die Zusammenhänge von Trauma und Liebe aufzuzeigen, wird mit jedem Jahr dringender. Deshalb will ich weiterhin Mut zu machen, sich aus psychischen Verwicklungen heraus zu entwickeln, damit Partnerschaft und Elternschaft gelingen kann.

Wie das gehen könnte, erkläre ich, wenn Sie sich die Zeit nehmen, weiter zu lesen …

Beginnen wir am besten bei der Quelle, dem Ursprung allen Seins. Bei der Mutter!

Es gab Zeiten, da haben Mädchen und Frauen in schrecklichen unaushaltbaren Zuständen leben müssen. Sie wurden misshandelt, gequält, geschlagen und fanden weder Schutz noch Zuflucht. Meist geschah das in Kriegszeiten. Die weibliche Ahnenkette ist lang, wenn wir auf unsere eigene Geschichte zurückschauen.

Eine solchermaßen traumatisierte Frau ist – wenn sie Mutter wird – kaum in der Lage, ihrem Kind das zu geben, was es braucht: Nähe, Geborgenheit, Schutz, Orientierung und Verlässlichkeit. Jedes  Baby und Kleinkind saugt die Gefühle und Empfindungen der Mutter in sich auf und identifiziert sich damit. Traumatisierte Mütter leiden unter ängstlichen oder ambivalenten Gefühlen, in die sich das Kind verstrickt. Und diese frühe Verstrickung in die mütterliche Gefühlswelt hat Auswirkungen auf die Liebe zu einem Partner und später zum eigenen Kind.

Deshalb habe ich in den letzten Jahren aufmerksam das Verhalten der Eltern zu ihren Kindern, sowie das unter Paaren beobachtet. Immer wieder habe ich festgestellt, dass nicht das Bindungsbedürfnis, sondern die Bindungsbereitschaft die Basis bildet, aus der sich alle weiteren Beziehungen formen und diese gedeihen oder scheitern lassen.

Oft habe ich mich gefragt, was Menschen wirklich zusammenhält und was ihnen am meisten fehlt. Nun, was viele zusammenhält ist gegenseitige Liebe, die Wachstum ermöglicht. Was den meisten trotzdem fehlt, ist eine gesunde Liebe zu sich selbst.

Ich habe erlebt, dass meine Vorträge, Seminare und Bücher zwar zur Selbsterkenntnis anregen können, diese für eine tiefgehende Transformation aber nicht ausreichen …

Ich durfte erleben, wie Menschen sich zwar vorübergehend im Inneren berühren lassen, doch auch diese innere Bewegtheit selten ausreichte, um einen falschen Lebens-und Liebesweg dauerhaft zu verlassen …

Dennoch verlor ich nie den Mut und die Freude weiterzumachen, weil ich heute genau weiß was mich antreibt:  Es ist mir ein menschliches Anliegen,  das Wissen über die biografische Vergangenheit zu vermitteln und über Prägungsmuster und Entwicklungsmöglichkeiten aufzuklären. Im besten Falle entsteht danach nicht nur der Wunsch, sondern der feste Wille, sich damit auseinander zu setzen, damit die Wunden der Ahnen nicht länger an die nächste Generation weiter vererbt werden.

Und wie viele andere, halte ich es schlichtweg nicht aus, einfach nur zuschauen, sich abzulenken, zu kompensieren und nichts zu tun. Das passt nicht zu mir. Es macht mir zu schaffen, wenn ich sehe, wie fehlgeleitete Menschen nicht nur sich, sondern vor allem ihre Kinder in ihrer gesunden Entfaltung und Entwicklung behindern. Meist wissen diese Menschen gar nichts von eigenen Verwicklungen und weisen diesen Hinweis ärgerlich oder erschrocken zurück.

Ja es stimmt, die meisten ziehen sich zurück, wenn sie den Begriff „Trauma“ hören. Ich könnte ja auch sagen, es handelt sich um unerlöste seelische Konflikte, doch das trifft den Kern der Sache nicht … was aber könnte der bessere Begriff sein?

Ich habe mir Gedanken dazu gemacht und mich mit dieser Frage Ende 2018 an den Göttinger Hirnforscher Gerald Hüther gewandt, der mir folgendes dazu antwortete:

„Ich denke auch, dass wir ein besseres Wort für „Trauma“ finden müssen, auch eines, was diesen Begriff von dem psychiatrischen Beigeschmack befreit. Eigentlich sind wir ja alle auf die eine oder andere Weise traumatisiert. Im Moment spiele ich mit der Idee, dass es im Leben ja um Entfaltung der in jedem Menschen angelegten Möglichkeiten, also seiner Potenziale geht. Dabei kann es zu Verwicklungen kommen, die dann auch als Erkrankungen in verschiedensten Formen zutage treten. Diese Verwicklungen sind das, was wir mit dem Begriff Trauma, bzw. mit den Versuchen zu dessen Bewältigung gemeint ist. Gesund werden und wieder zurückfinden in diesen ursprünglich ja einmal stattgefundenden Entfaltungsprozess kann eine Person aber nur dann, wenn sie sich aus diesen Verwicklungen herauslöst. Alleine ist das kaum zu bewältigen, es braucht jemanden, der diesen Menschen dabei begleitet. Das wäre dann das, was mit dem Begriff Entwicklung gemeint ist. Diese Betrachtungsweise gefällt mir sehr gut …“

Gott sei Dank bin ich weder Psychiaterin noch Psychologin geworden, so dass ich die Biografische Entwicklungsarbeit professionell und frei anbieten kann und keinen Zwängen unterliege – und ja es stimmt, es braucht jemanden, der diesen Prozess warmherzig begleitet; das muss jemand sein, der das Leben weitestgehend verstanden (und nicht nur analysiert) hat; jemand der weise genug geworden ist, um Menschen durch die Untiefen ihrer Vergangenheit sicher herauszuführen – und zwar ohne eine klinische Diagnose zu stellen.

Ich überzeuge und überrede deshalb niemanden, sich mit seiner Biografie auseinander zu setzen, jedoch lade ich dazu ein und ermutige jeden, sich sein Leben genauer anzuschauen, wenn er den Eindruck hat, dass er in etwas verwickelt ist, aus dem er von selbst nicht heraus findet.

Gemeinsam können wir dann herausfinden, worin man verwickelt wurde, wo die Ursachen liegen, welche Auswirkungen dies alles auf das eigene Leben hat und wie man die eigene Entwicklung erneut voranbringen kann.

Der Lohn ist die Fähigkeit, dem Leben mit Liebe und Vertrauen zu begegnen und seine angelegten Fähigkeiten voller Freude zu entfalten, statt voller Angst zurückzuweichen und innerlich zu verkümmern.

Sehen Sie, das wäre dann ein echtes Wunder, sich selbst zu heilen ….

Mit einem herzlichen Gruß

Brigitte Hieronimus

 

 

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